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In die Jahre gekommen, aber jung geblieben

Der 30. Juni 2018 stellte ein besonderes Highlight für die Mitglieder des ESVK dar. An diesem Tag konnten die Kirchmöseraner Segler das 90. Jubiläum der Gründung ihres Vereins feiern. Viele fleißige Helfer hatten sich in die Vorbereitungen eingebracht, um dieses Ereignis zu einem Erfolg werden zu lassen. Unter welchen Umständen kam es eigentlich 1928, also zehn Jahre nach dem Ende des ersten Weltkriegs, in dem kleinen Ort Kirchmöser zur Gründung eines bedeutenden Sportvereins?


Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich Kirchmöser in einem Tempo aus dem tatsächlichen Nichts heraus entwickelt, sich selbst in heutiger Zeit mit computergestützter Planung und modernsten Bautechniken kaum vorstellen lässt. Ende 1914, kurz nach dem Ausbruch des Krieges, wurde beschlossen, auf einem doch recht öden und sandigen Fleckchen märkischer Erde eine Pulverfabrik zu errichten. Bereits im Mai 1915 wurde der Probebetrieb aufgenommen und bis zum Kriegsende war die Belegschaftsstärke auf über 4000 Beschäftigte angewachsen. Die erforderlichen Wohnungen wurden in Kirchmöser und Plaue ebenfalls errichtet. Unseren BER Planern würde bei solchen Vorstellungen wahrscheinlich schwindelig werden.
Nach dem Krieg, im Jahre 1920, wurde das Gelände und die baulichen Anlagen von der Reichseisenbahn, später dann von der Deutschen Reichsbahn, übernommen, als Reichsbahn-Ausbesserungswerk genutzt und weiter ausgebaut. Es wurde zum größten RAW Deutschlands und hatte 1928 bereits wieder ca. 3000 Beschäftigte. Diese kamen mit ihren Familien aus vielen Teilen Deutschlands hierher und hatten neben der täglichen Arbeit natürlich auch das Bedürfnis nach sinnvoller und daher auch sportlicher Freizeitbeschäftigung. Daraus resultierte der Entschluss, einen aktiven und attraktiven Sportverein zu gründen. Es entstand der „Reichsbahn – Sport – Verein – Brandenburg West“. In diesem Verein gab es neben Abteilungen für andere Sportarten auch eine solche für Wassersport, in der die Segler integriert waren. Die heutigen Mitglieder des ESVK 1928 sind also die legitimen Nachfolger der ersten organisierten Segler in Kirchmöser. Die erste Heimstatt des Vereins befand sich bereits auf dem noch heute genutzten Gelände am Seegarten. Das sportliche und gesellschaftliche Leben entwickelte sich in der Folgezeit positiv. Die Weltwirtschaftskrise war überwunden. Es wurde ein neues Bootshaus gebaut und viele neue Boote kamen dazu. Die Zahl der Mitglieder wuchs auf 195. Die Folgen des von den Nationalsozialisten verursachten 2. Weltkriegs führten 1944 letztendlich zur Einstellung des Sportbetriebes. Mit dem Kriegsende wurde das Vereinsgelände bis 1949 von der Roten Armee besetzt. Danach war es ein schwerer Wiederanfang. Gebäude und Gelände waren desolat, Boote beschädigt oder verschwunden. Aber es gab wieder „Männer der ersten Stunde“, die den Neuanfang mit großer Tatkraft in Angriff nahmen. 1951 wurde der Verein zur „BSG Lokomotive Kirchmöser, Sektion Segeln“. Eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung in der Struktur, wie im sportlichen Bereich, nahm ihren Anfang, die in der Folgezeit dem Ansehen der Segler aus dem Hafen am Seegarten in der Region sowie auch national einen kräftigen Schub verlieh. Der Regattabetrieb wurde verstärkt. 1957 richtete der Verein eine DDR-Meisterschaft aus. 1970 wurde die Regatta um die „Silberne Lok“ aus der Taufe gehoben, die sich bis heute als Traditionsregatta immer noch großer Beliebtheit erfreut. Die Förderung des Jugendsportes stand immer ganz oben auf der Prioritätenliste. Teilnahmen an DDR – Meisterschaften oder Kinder- und Jugendspartakiaden waren stets Bestandteil des Regattakalenders. Das Jahr 1989! Es hat so vieles verändert! Betriebssportvereine gab es nicht mehr. Es entstand der „Eisenbahner Sportverein Kirchmöser, Abt. Segeln“.
Ende der 90er Jahre hingen plötzlich dunkle Wolken über der Perspektive des Hafenareals. In der Presse tauchten Berichte auf, dass geschäftstüchtige „Investoren“ planten, auf dem Gelände der Sportanlagen eine Eigenheimsiedlung zu errichten. Zum Glück für die Segler gelang es dem damaligen Vereinsvorsitzenden Atze Kulik durch Verweis auf die Bahnhistorie des ESVK von der Bundesbahn das Vorkaufsrecht für die langjährig genutzte Fläche zu erhalten. Um den Kauf abzusichern trennte sich die Abt. Segeln vom Eisenbahner Sportverein. Am 1. September 2000 fand die Gründungsversammlung des „Eisenbahner Segelvereins Kirchmöser 1928 e.V“ statt. Diese Neugründung und der Erwerb des Grundstücks eröffnete enorme Möglichkeiten für die weitere Entwicklung des ESVK. Es ist die Basis all dessen geworden, was diesen Verein heute ausmacht und ihn so ansehenswert erscheinen lässt. Mit Recht können die Mitglieder stolz auf das Erreichte sein. Der 90. Vereinsgeburtstag bildete einen würdigen Rahmen, um an Vergangenes zu erinnern und sich an der Gegenwart zu erfreuen. Astrid Alsdorf hatte mit ihrem Team das Event perfekt vorbereitet. Mit Blumen dekorierte Tische standen für die Gäste bereit. Viele Seglerfrauen stellten ihre Backkünste mit einem Beitrag zum Kuchenbuffet unter Beweis. „Bernardo and Friends“ vom Musikerstammtisch des Plauer Schlosses hatten die Bühne für ihr Programm aufgebaut. Blaue Luftballons mit dem Vereinslogo schmückten den Festplatz. Mit Karin Alsdorf war eine Moderatorin ausgewählt worden, die sich dieser Herausforderung souverän stellte und einen professionellen Eindruck hinterließ. Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch den Vereinsvorsitzenden Uwe Michel ergriff Dr. Peter Schulz das Wort zu seiner Festrede. In seinem mit vielen Pointen gewürzten Vortrag vermittelte er einen Abriss der Geschichte des ESVK von seiner Gründung bis in die Gegenwart. Die Segelkids des ESVK haben diesen Exkurs in die Vereinshistorie mit Fotos der 13 Vereinsvorsitzenden, die sie während des Vortrags dem Publikum zeigten, lebendiger werden lassen. Sie sind generell immer ins Vereinsleben integriert und haben bei kulturellen Höhepunkten der Seglergemeinschaft mit ihren Auftritten bereits einen festen Platz. Die Zukunft des Vereins wird einmal in ihren Händen liegen und in diese Verantwortung wachsen sie buchstäblich hinein. Gut so!
Im Anschluss an die Ausführungen von Dr. Schulz nutzte Detlef Schiller als Gratulant des Verbandes Brandenburgischer Segler seine Anwesenheit, um verdienstvolle Sportler des Jubilars zu ehren. Er überreichte die Ehrennadel des VBS in Bronze an Günther Alsdorf, Gerd Anderson und Hans Telenga als Auszeichnung für ihr jahrelanges Engagement für den Segelsport im Verein und im Land Brandenburg.
Nachdem Vertreter befreundeter Vereine aus unserer Region durch ihre Gratulationen die Wertschätzung für die Segelfreunde aus Kirchmöser zum Ausdruck gebracht hatten, startete bei strahlendem Sonnenschein und perfektem Wind die musikalische Geschwaderfahrt . Dazu hatten sich die Burgmusikanten aus Ziesar unter der Leitung von Dieter Varchmin auf der Vereinsbarkasse „Havelland“ platziert und begleiteten die Flotte aus dem Hafen am Seegarten mit Shanties und anderen flotten Rhythmen. Im Anschluss an diese sportliche Betätigung wurde zum „Sturm auf das Kuchenbuffet“ geblasen. Neben Kaffee und leckerem Gebäck wurden auch Modeimpressionen serviert. Viola Barkowsky und ihre Models aus Kirchmöser präsentierten ihre „Mode für jedermann“. Den abschließenden Höhepunkt des Nachmittags setzten die Akrobatinnen des Eisenbahner Sportvereins Kirchmöser. Es war beeindruckend und begeisternd für die Zuschauer, mit welcher Sicherheit die teilweise zierlichen Mädchen schwierigste Hebe- und Gruppenelemente ausführten.
Nachdem Wirt Jörg Briehn und sein Team der Vereinsgaststätte den Abend mit deftigen Grillspezialitäten eingeläutet hatten, begannen Bernardo und seine Freunde den Gästen musikalisch „einzuheizen“. Schnell füllte sich die Tanzfläche. DJ Grandpa aus Genthin sorgte dafür, dass auch in den Pausen der Liveband die musikalische Stimmung keinen Abbruch erleiden musste.
Alle Beteiligten waren sich einig, dass dieser gelungene Vereinsgeburtstag noch lange in Erinnerung bleiben wird. Der Vorstand des ESVK möchte sich auf diesem Wege recht herzlich bei allen bedanken, die durch ihren persönlichen Einsatz zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben.